Startnews SingleViewStartnews SingleViewStartnews SingleView RUStartnews SingleView PLNewsStartnews SingleViewStartnews SingleViewStartnews SingleView

IQ-Qualifizierungsprojekt ermöglicht Krankenschwestern aus dem Ausland berufliche Anerkennung

[16.08.17] 

Die Anerkennung ihres Berufsabschlusses in Deutschland ist für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Ausland ein wichtiger Schritt in Richtung finanzieller Eigenständigkeit. Gleichzeitig besteht im Gesundheits- und Krankenpflegebereich in Brandenburg ein Bedarf an Fachkräften.

Der von Migranten selbstorganisierte Verein Kontakt Eberswalde (e.V.) begleitet Pflegerinnen und Pfleger aus dem Ausland mit einem Projekt auf dem Weg zur staatlichen Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und Gesundheits- und Krankenpfleger. Es gibt von Land zu Land Unterschiede in der Ausbildung, die Pflegerinnen und Pfleger vor einer Anerkennung in Deutschland ausgleichen müssen.  Das Qualifizierungsprojekt sichert die Finanzierung der Teilnahmekosten an einem entsprechenden Lehrgang. Flankierend bietet es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein fachbezogenes Sprachcoaching – wichtig für die Kommunikation mit Ärzten, Patienten oder die Pflegedokumentation. Mit dem Projekt „Anpassungsqualifizierungen in den sozialen Ausbildungsberufen und den Gesundheits- und Pflegeberufen“ ist der Kontakt Eberswalde e.V. Teil des IQ Netzwerks Brandenburg im Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“.

Fünf im Land Brandenburg lebende Krankenschwestern aus Moldawien, Polen, Russland, Tadschikistan und der Ukraine haben Mitte August 2017 ihre Anpassungsqualifizierung, einen elf Monate dauernden Lehrgang, abgeschlossen. Sie dürfen jetzt in Deutschland in ihrem erlernten Beruf als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen arbeiten.

Um in Deutschland als Krankenschwester arbeiten zu können, hat sich auch Mariana Cernolev (37) entschieden, noch einmal die Schulbank zu drücken. Ein knappes Jahr lang theoretischer Unterricht etwa in Anatomie, Pflege, Medizin und natürlich viele Praxisstunden auf verschiedenen Stationen.  Schließlich möchte die junge Mutter von zwei Kindern wieder als OP-Schwester arbeiten. Der Operationssaal war bereits in ihrer Heimat Moldawien ihr favorisierter Arbeitsplatz. Die Nerven bei kritischen Eingriffen behalten, wenn andere schwach würden, die Patienten versorgen und den Ärzten zur Hand gehen – das sei ihre Leidenschaft, so Mariana Cernolev.

Allerdings musste die Wahl-Potsdamerin die deutschen Fachbegriffe neu lernen: „Direkt übersetzen kann man vieles nicht, das ist oft ein anderer Zugang. Die Fachbegriffe sind jedoch wichtig, nur so können wir im Krankenhaus präzise kommunizieren. Also habe ich auch nach der Schule viel gelernt. Meine gesamte Küche war mit Fragen und Antworten zu Prüfungsthemen beklebt. So konnte ich auch beim Kochen noch lernen.“

„Ich bin sehr dankbar, dass es das IQ-Projekt gibt. Denn die hohen Kosten für die Anpassungsqualifizierung hätte ich nicht selbst tragen, einen Kredit nicht aufnehmen können“, so Farida Yodgorova (33) aus Tadschikistan. In ihrer Heimat hat sie drei Jahre lang studiert, danach war sie mehrere Jahre tätig als Krankenschwester in der Hämatologie und einer Ambulanz sowie in einem Labor als Punktionsschwester. Nun möchte sie in Cottbus ihren Beruf wieder aufnehmen. 

Einen „bunten Blumenstrauß“ an Krankenhauserfahrung nicht nur aus der Ukraine, sondern auch aus Israel bringt Schwester Marta Yakubovych (43) mit nach Brandenburg. „Die Pflegeplanung hat in Deutschland in meinem Beruf einen besonderen Stellenwert, das kannte ich so bisher nicht. Neugierig hat es mich allerdings gemacht und nun sehe ich meine berufliche Zukunft gerade im Gesundheitsmanagement.“

Anfang September 2017 starten neue Kurse. In denen können Pflegerinnen und Pfleger die Unterschiede ihrer im Ausland erworbenen Ausbildung den deutschen Berufsstandards der Gesundheits- und Krankenpflege ausgleichen. Interessenten können sich noch beim Kontakt Eberswalde melden. Zugangsvoraussetzungen sind eine gute Deutsch-Sprachkompetenz, zertifiziert mit dem Sprachnachweis B2, sowie ein Bescheid des zuständigen Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG).

Foto (von links): Marta Yakubovych, Mariana Cernolev und Farida Yodgorova bringen viel Fachwissen und Erfahrung nach Brandenburg und können hier künftig als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen arbeiten. Das landesweit agierende Projekt „Anpassungsqualifizierungen in den sozialen und in den Gesundheitsberufen“ des Kontakt Eberswalde e.V. hat sie auf ihrem Weg unterstützt.

In Kooperation mit: 
Logo Bundesministerium für Bildung und ForschungLogo Bundesagentur für Arbeit